NAMEN UND ANREDEN IN SPANIEN …

NAMEN UND ANREDEN IN SPANIEN …

Verfasst von Herrn Rechtsanwalt José Antonio Pérez Alonso.

(Info für meine deutschen Leser die ein bisschen verstehen möchten wie wir ticken, oder die die Feinheiten der spanischen Sprache mögen… )

Also, wir Spanier haben einen (oder mehr) Vornamen, und zwei Nachnamen; z.B., bei mir, José Antonio + Pérez Alonso.

– „José Antonio“ ist mein Vorname, (so heißt übrigens auch mein Vater und so hieß auch mein Großvater); früher war es üblich, der erste Sohn hieß wie der Vater, die erste Tochter wie die Mutter. Heute kommt das seltener vor.

– „Pérez“ ist mein erster Nachname (kommt wiederum vom ersten Nachnamen meines Vaters). Der Nachname “Pérez” kommt in Spanien und Südamerika sehr sehr häufig vor, er ist zusammen mit “García” einer der am häufigsten vorkommenden Nachnamen. Ich mag zu denken dass es anscheinend früher einige Pérez gab, die besonders “eroberisch” oder fruchtbar waren… und dass ich darum Millionen Verwandten habe!

– „Alonso“: mein zweiter Nachname ist auch der erste Nachname von meiner Mutter, und da kommt er her.

Seit wenigen Jahren dürfen die Eltern nach der Geburt frei entscheiden, ob der Nachname des Vaters oder der Mutter als erster erscheint. Wenn sie sich nicht einigen können (passiert manchmal, besonders bei unehelichen Kindern, oder wenn sich die Eltern scheiden lassen), entscheidet der Richter. Nach dem ersten gemeinsamen Kind müssen aber alle weiteren Kinder die Nachnamen in der selben Reihenfolge bekommen. Wenn sie 18 werden, können Sie sie aber ändern lassen. Auch Opfer von häuslicher Gewalt oder Straftaten können die Nachnamen des elterlichen Straftäter ändern lassen.

Vaterlose Kinder erhalten die Nachnamen der Mutter in der selben Position, oder wenn man das möchte, in der umgekehrten (so erkennt man nicht gleich, dass es keinen Vater gibt).

Anders wie in Deutschland erhält keiner in Spanien einen neuen Nachnamen nachdem er oder sie geheiratet hat. Das verhindert dass mache Personen im Laufe des Lebens verschiedene Nachnamen tragen. Außerdem ändert sich bei uns in Spanien die Ausweisnummer nie, sie bleibt das ganze Leben lang (praktischerweise!) unverändert (die Ausweisnummer ist außerdem gleichzeitig die Passnummer und die Steuernummer (NIF), und sie erscheint auch im Führerschein). Darum kennt jeder Spanier seine DNI Nummer (“número de documento nacional de identidad”) auswendig. Und darum fragt dich hier keiner nach deinem Geburtsdatum oder Geburtsort, sondern nur nach deiner DNI/NIE Nummer…

Wenn man jemanden duzt, spricht man ihn mit seinem (ersten)Vornamen an: „¡Hola, José!” (oder “hola, José Antonio”), “¿cómo estás?“ .

Die Frau behält ihren Mädchennamen, die Eheleuten tragen nicht den selben Nachnamen. Es sieht so aus, als ob die Frau immer noch zur Familie ihrer Eltern gehören würde, könnte man meinen. Interessanterweise zeigt meines Erachtens die Namenregelung in Spanien, wie wir Spanier die Ehe nicht für eine so enge oder starke Beziehung halten wie die Verwandtschaft zwischen Eltern und Kindern. Die Folgen sieht man auch in der Regelung des Erbrechtes, des Ehegüterrechtes, usw.

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Wenn man jemanden siezt, gibt es zwei Möglichkeiten ihn zu rufen:

– “¡Hola, Don José Antonio!” (also „Don/Doña“ + Vorname). Das ist respektvoll aber irgendwie immer noch nett oder freundlich gemeint. Man deutet damit eine gewisse respektvolle Nähe an. Don José Antonio (D. José Antonio) oder Doña Cristina (Dª Cristina) also. Das Wort “Don/Doña” kommt vom Latein “dominus/domina” (Herr/Herrin). Im modernen Deutsch hat das Wort “Domina” einen anderen Sinn erhalten…

– „¡Hola, Señor Pérez!“ (Also „Señor“ + erste Nachname). Z.B. Señor Pérez (Sr. Pérez) oder Señora González (Sra. González).

Falsch (oder mindestens unüblich) und darum zu meiden sind also folgende Ausdrücke:

– „Don/Doña” + Nachname. (Don Pérez, Doña González). Das ist ganz falsch.
– „Señor“ + Vorname (“Señor José Antonio“). Das ist nicht unbedingt falsch, das sagen aber nur alte Gärtner, Bauer oder Diener, klingt ziemlich altmodisch und unterwürfig.
– „Señor“ + zweiter Nachname (Señor Alonso). Ist auch ganz falsch.
– “Señorito” oder “Señorita” (+ Vorname oder Nachname, für junge oder unverheiratete Männer oder Frauen) sollte man nicht mehr benutzen, das ist absolut altmodisch, besonders bei Männern (“señorito” sagt man schon seit 100 Jahren nicht, heute ist das nur ein Schimpfwort, oder ein Wort um jemanden zu bezeichnen, der eitel und faul ist). Und warum sagt man Señorita (Fräulein) nicht mehr? Feministische Gedanken haben was damit zu tun, das hat mit Respekt und Gleichberechtigung zu tun. Man denkt heutzutage, keinem geht eigentlich was an, ob eine Frau (mit der man keine vertrauensvolle Beziehung hat und darum man siezt) verheiratet ist oder nicht. Darauf mit dieser Bezeichnung “Señorita” aufmerksam zu machen gilt heute darum als unhöflich oder als rückständig oder respektlos. Ausnahme: Die Grundschullehrerinnen oder Kindergartenlehrerinnen dürfen immer noch von den Kindern “Señorita” genannt werden… Anekdote: Einmal erhielt ich einen heftigen Tadel von einer Richterin, in einer Gerichtsverhandlung, als ich eine junge Zeugin “Señorita XX” nannte… Die Richterin sagte verärgert: “In meinem Gericht gibt es keine señoritas, nur señoras!”. Dass man keine Frau mit dem Namen “Señorita” nennt hat nebenbei einen Vorteil: Man erspart sich die Mühe zu kalkulieren, ob die Dame noch jung genug ist um den Namen zu verdienen, und man beleidigt keine etwas älter aussehende Frau wenn man sie Señora anstatt Señorita nennt (weil man sowieso niemanden mehr Señorita nennt). Alle sind heutzutage “señoras” nicht weil sie alt oder verheiratet sind, sondern weil wir sie so viel respektieren, und Ende.

– Señor/Señora + die zwei Nachnamen ist nicht falsch, klingt aber ziemlich steif: Señor Pérez Alonso.

Übrigens: Don/Doña und Señor/Señora/Señorita werden großgeschrieben, und die Kürzel auch (D., Dª, Sr., Sra., Srta.).

Auch bitte nicht vergessen: In Spanien dutzt man oft und schnell, auch wenn man sich nicht kennt, und auf den Kanaren besonders oft, besonders unter jungen Leuten. Das ist normalerweise lieb gemeint, ist ein Zeichen von Akzeptanz.

Auf den Kanaren (wegen des südamerikanischen Einflusses) dürft ihr euch euch auch nicht wundern wenn die Verkäuferin oder Kassiererin (nur Frauen!) euch „amor“ oder „cariño“ (Liebling) oder “mi niño” (mein Kind) nennen, oder wenn sie euch dutzen. Das ist auch keine Anmache!

Achtung: Im Dialekt der Canarios ersetzt man in der Mehrzahl das Personalpronomen “ihr” durch das “Sie”. Wir sagen also nicht “ihr kommt” (vosotros venís), sondern “Sie kommen” (Ustedes vienen), auch für die Leute die sie duzen.

Akademische Titeln werden in Spanien nicht oft benutzt, und sind nach spanischem Gesetz kein Teil des Namens. Erwartet also bitte nicht Herr Doktor oder Herr Anwalt genannt zu werden. Das Siezen reicht völlig aus um Respekt zu zeigen.